100 Jahre Bayerwerk Dormagen – der 1. Weltkrieg – die Heimatfront

Ein hochinteressanter Rückblick, eine Betrachtung ohne eine rosarote Brille: Dormagen vor 100 Jahren. Die Auswirkungen des 1. Weltkriegs, der 1917 zu letzten, verzweifelten Kraftanstrengungen führte; bei den kämpfenden Truppen, aber auch in der Heimat, der "Heimatfront", wie es hieß. In diesem gegliederten Vortrag sollen verschiedene Aspekte beleuchtet, viele Fragen geklärt, Gerüchte, Vorwürfe und Unterstellungen zur Kriegswaffenproduktion angesprochen werden.

1. Der 1. Weltkrieg war 1917 in vollem Gange; noch hofften alle auf ein für das Deutsche Reich gutes und baldiges Ende. Und dieser Krieg prägte das Leben auch hier im Dorf Dormagen, in Zons, Nievenheim und den anderen Gemeinden, die heute zur Stadt Dormagen zusammengewachsen sind. Fehlende Lebensmittel, medizinische Mängel, sich ausbreitende Krankheiten, Trauer über Gefallene und verzweifelte Hoffnungen, prägten das Leben der Menschen im "friedlichen" Rheinland.

2. Das Bayerwerk Dormagen wurde aufgebaut, nahm 1917 die Produktion kriegswichtiger Stoffe auf. Dazu wurden mehr als 2.000 Menschen benötigt. Das musste Auswirkungen haben auf alle umliegenden Gemeinden. Wie sahen sie aus? Welche Folgen hatte das für das Leben der Menschen in den umliegenden Dörfern? "Heimatfront" hieß es und das betraf Frauen, Kinder und alte, wehruntaugliche Männer, die mit den Kriegsfolgen in der Heimat lebten.

3. Es müssen Fragen geklärt werden, die sich um die Produktion von Sprengstoff-Komponenten und Giftgas drehen. Materiealien, deren Einsatz an den Fronten entsetzliche Folgen hatten. Haben die Gegner von Bayer Recht, die hier mit Schuldvorwürfen auch heute noch operieren? Was ist damals wirklich geschehen, wer hat Verantwortung für die fürchterlichen Kriegsgräuel?

4. Die Ansiedlung eines solchen Werkes, in dem viele Menschen arbeiten mussten, konnte nicht ohne gravierende Auswirkung auf die umliegenden Gemeinden bleiben. Wie veränderte das das Leben in den Dörfern? Wer arbeitete im Werk? Wie sah die Rolle der Frau in dieser Umbruchszeit aus? Fast alle arbeitsfähigen Männer befanden sich im Krieg, waren bereits gefallen, krank, verletzt oder in Gefangenschaft geraten. Konnten die hier lebenden Frauen die Lücke füllen, waren sie dazu gewillt, geeignet, wie wurden sie, die bisher für "Heim, Herd und Kind" zuständig waren, behandelt?

Am 3. März 2017, war ich als Ehrengast, zum Dank für meine Hilfe beim Erstellen der Ausstellung, im Dormagener Bayer Chempunkt, dem Ort für Treffen von Besuchern und den Vertretern von Bayer. Und das Besondere: Diese grandiose Ausstellung, über 100 Jahre Bayerwerk Dormagen, wird anlässlich meines Vortrags am 17.11. für einen Tag in der VHS aufgebaut.